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Veranstaltung 2000

6. Round-Table-Gespräch "Reifentechnik"

6. Round-Table-Gespräch "Reifentechnik"

„Alle, die mit Reifen zu tun haben, sitzen hier an einem Tisch“, freute sich Automotive-Vertriebsleiter Peter Dahlheimer zum Auftakt des „6. Round Table Reifentechnik“. TIP TOP STAHLGRUBER hatte dazu Anfang April nach Unterhaching eingeladen.

Rund 80 Fachleute der Reifen-Branche nutzten die Gelegenheit zu einem qualifizierten Erfahrungsaustausch. Die Veranstaltung, die sowohl bei Vertretern der Industrie als auch bei Verbänden und Organisationen hohe Akzeptanz genießt, ist in ihrer Art einmalig. Sie gilt als Initiator für Verbesserungen und Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Reifentechnik.

Reifen-Fabrikatsbindung rechtsunwirksam

Aktuell erläuterte Hans-Jürgen Drechsler, der stellvertretende Geschäftsführer des Bundes-verbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV), die Aufhebung der Reifen-Fabrikatsbindung. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen hatte Mitte Februar 2000 das Kraftfahrtbundesamt angewiesen, ab sofort keine derartigen Eintragungen in die Fahrzeugpapiere mehr vorzunehmen.

Polizeibehörden und die technischen Dienste wurden in diesem Sinne ebenfalls informiert.

Diese Änderung der Rechtsgrundlage, bei der auch keine Übergangsfristen gelten, wurde notwendig, da die ursprüngliche Reifen-Fabrikatsbindung in Deutschland von der Europäischen Kommission als unvereinbar mit der von Deutschland bereits am 12. August 1997 in nationales Recht umgesetzten EG-Richtlinie 92/23EG angesehen wurde.

Drechsler: "Damit ist auch eine langjährige und immer wieder vorgetragene Forderung unseres Bundesverbandes zum Abbau diesbezüglicher Handelshemmnisse im Interesse seiner Mitglieder von der Europäischen Kommission gegenüber der Bundesregierung durchgesetzt worden."

Die Aufhebung der Reifen-Fabrikatsbindung bedeutet gleichzeitig, dass nunmehr der Fahrzeughalter bzw. der Fahrzeugführer gemäß der Straßen-verkehrsordnung entsprechend seiner grund-sätzlichen Verpflichtung für den verkehrssicheren Zustand des Fahrzeuges zu sorgen hat. Er ist auch verantwortlich dafür, dass bei der Verwendung von Reifen unter Beachtung der im Fahrzeugschein angegebenen Größenbezeichnungen keine Sicher-heitsprobleme bestehen. Drechsler: "Ist dies nicht der Fall, das heißt, ist die Verkehrssicherheit generell oder in bestimmten Situationen nicht mehr gewährleistet, kann den Fahrzeughalter oder Fahrzeugführer im Schadensfall zumindest eine Teilschuld treffen." Diese Verantwortung haben Fahrzeughalter und -führer, so Drechsler, allerdings schon immer gehabt.

„Wir sehen in dieser Entscheidung eine weitere definitive Chance für die Reifen-Fachhandels-branche, sich gegenüber den Kunden noch stärker zu profilieren. Wer anders als die Reifen-Fachhandelsbetriebe können die Kunden optimal zu den sicherheitsrelevanten Fragen in Bezug auf Reifen beraten?“ fügte Drechsler an, der aber auch die Empfehlung aussprach: "Im Hochgeschwindigkeitsbereich sollte die bewährte Praxis zwischen Reifenfachhandel und Reifenherstellern in Bezug auf Unbedenklichkeitserklärungen und Unbedenklichkeitsbescheinigungen weiter fortgesetzt werden, auch wenn diese durch die Aufhebung der Reifen-Fabrikatsbindung nicht mehr unbedingt erforderlich sind und zumindest nicht mehr den Prüfinstanzen vorgelegt werden müssen."

Ausnahme

Die große Ausnahme der neuen Regelung ließ Drechsler natürlich nicht außer Acht:

Für zwei- und dreirädrige Fahrzeuge, insbesondere für Motorräder, gilt die Aufhebung der Reifen-Fabrikatsbindung nicht.

Diskussion

Gerade Vertreter der Fahrzeugindustrie unterstrichen in der regen Diskussion um diese neue gesetzliche Regelung, dass die große Verunsicherung am Markt keinesfalls als technischer Wettbewerb auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden darf. Es bestehe eine grundsätzliche Beobachtungspflicht beim Automobilhersteller und eine Sorgfaltspflicht beim Kunden. Hans-Jürgen Drechsler unterstrich, dass der BRV mit Ausnahme bei Motorrädern grundsätzlich gegen eine Fabrikatsbindung ist. BRV und Fahrzeugindustrie seien in Kontakt, die neue Rechtslage müsse nun gelebt werden.

Volker Rühr vom Porsche-Entwicklungszentrum in Weisach betonte, dass die Automobilhersteller die Reifen-Fabrikatsbindung grundsätzlich vermeiden möchten.

Wegen der Kundenwünsche seien jedoch Reifen-Spezifikationen notwendig.

Schließlich sei der Reifen mittlerweile kein Aller-welts-, sondern ein High-Tech-Produkt, das auch unter dem Aspekt der Produkthaftung betrachtet werden muss.

Reifenfahrbahngeräusche

Über Möglichkeiten zur Reduzierung von Reifenfahrbahngeräuschen referierte Peter Sponagel vom Wirtschaftsverband der Deutschen Kautschukindustrie in Frankfurt.

Mögliche Parameter zur Lärmminderung sind die Fahrbahn, die Reifen und das Fahrzeug. Der "Krach" sei die Kombination aus allen drei Faktoren.

Hoffnung für Runderneuerer

Dass die Reifen-Runderneuerung immer mehr unter Preisdruck gerät, führte Dieter Hatzfeld von der RuLa GmbH in Schraden aus. Ein möglicher Lösungsansatz sei die Schaffung einer eigenen Marke für den Runderneuerer. Auch sei ein Zusammenschluss von Runderneuerungsbetrieben, wie dies in der übrigen Reifenbranche auszumachen sei, wichtig. Zudem unterstrich Hatzfeld den Wunsch an die Reifenhersteller, die "Runderneuerungs-fähigkeit in die Karkasse mit einzubauen." Der Preis der Karkasse sei schließlich beim Neureifen eigentlich enthalten. Hatzfeld: "Die Verantwortung für den Zustand der Karkassen liegt aber immer beim Runderneuerer." Seine Bitte: "Es muss die Unterstützung der Reifenhersteller vorhanden sein!"

Umgang mit Gefahrstoffen

Bei der Montage von Reifen und insbesondere bei der Reifenreparatur werden teilweise Produkte verwendet, die als Gefahrstoffe einzustufen und zu kennzeichnen sind. Durch nicht sachgemäßen Umgang damit können sich Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten sowie Schäden für die Umwelt ergeben.

Dr. Inge Schmidt von der Großhandels- und Lagerei-Berufsgenossenschaft-Hauptverwaltung in Mannheim unterstrich die Bedeutung von Gefahr-stoffverzeichnissen, mit denen die Unternehmer den Forderungen der Gefahrstoffverordnung Rechnung tragen, Gefahrstoffe zu ermitteln und in einer fortlaufend aktualisierten Übersicht alle Änderungen bezüglich neuer Gefahrstoffe, deren Kennzeichnung und Einstufung sowie Menge und Einsatzbereiche nachzuweisen.

Die Grundvoraussetzung für die richtige Verwendung von Gefahrstoffen sei die Kenntnis, mit welchen Gefahrstoffen im Unternehmen umgegangen wird.

Mobiler Service

Lösungsansätze für die mobile Pkw- und Lkw-Reifenreparatur zeigte Hans Schmitt von TIP TOP STAHLGRUBER auf. Mobile Konzepte gibt es bereits vom Anhänger bis hin zum vollständig ausgebauten Lkw mit den entsprechenden Einbausätzen. Gerade Flottenverbände und Transportbetriebe nutzen das Angebot, um vor Ort eine fachspezifische Reparatur zu gewährleisten.

Reifen-/ Karkassenprüfung

Über den aktuellen Stand der Technik zur Reifen-/ Karkassenprüfung informierte Stefan Dengler von der SDS Systemtechnik in Calw-Stammheim. Als mögliche Verfahren zur zerstörungsfreien Prüfung von Reifen stellte er das klassische Verfahren zur subjektiven Beurteilung von Reifen und Karkassen durch Sicht- und Druckprüfung vor, das Röntgen- und Ultraschallsystem und das sogenannte interferometrische Verfahren auf der Basis von Lichtmessungen.

Reifenbeschriftung

Auf eine Produktneuheit von STAHLGRUBER machte Karl-Heinz Scheurer aufmerksam.

Zur Reifenmesse 2000 in Essen (20. bis 23. Juni) wird eine Anlage präsentiert, die die Kennzeichnung der Karkasse und der Runderneuerung mittels einer Lasergravur gewährleistet. Bei einer Beschriftungs-dauer von 30 Sekunden bis zu zwei Minuten und einer Markiertiefe von rund 2/10 Millimetern ist ein Markierfeld von der Größe von 150 x 150 Millimeter möglich. Die Kosten: Rund 125.000 Mark. Scheurer: "Bei einer Auslastung von 50 Reifen am Tag kostet eine Beschriftung somit 2,51 Mark pro Reifen. Und das ohne weitere Zusatzkosten für Material." Der "TIP TOP - Tyre Profi Marker" wird auch als Leasing-Objekt angeboten.

Notlaufsysteme

Die unterschiedlichen Lösungsvarianten von Notlaufsystemen zeigten Norbert Schygulla vom Zentralkundendienst der Deutschen Goodyear Holdings GmbH in Fulda, Michael Zoeppritz von der Brigestone/Firestone GmbH in Zaventem/Belgien, Dr. Bernd Löwenhaupt von der Dunlop GmbH in Hanau und Ludwig Nelke von der Michelin Reifenwerk KGaA aus Karlsruhe auf. Hugo Verschoore von Butler Engineering & Marketing S.R.L. in Rio Saliceto/Italien ging auf die Veränderungen bei der Montage von Reifen mit Notlaufsystemen ein, die auch bei der Konzeption von Reifenmontagegeräten berücksichtigt werden müssen.

Last-/ Luftdruckreserven

Franz Nowaskowski von der DEKRA Automobil GmbH in München appellierte an die Vertreter der Reifenindustrie, die Hersteller von Wohnmobilen und Transporter-Fahrzeugen zu einer höherwertigen Bereifung bezüglich der Tragfähigkeit zu überzeugen. Er warnte besonders vor hohen Überladungen und falschen Luftdrücken, die zu "Reifenplatzern" führen können.

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