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Veranstaltung 2003

9. Round-Table-Gespräch "Reifentechnik"

9. Round-Table-Gespräch "Reifentechnik"

Der Round Table Reifentechnik fand dieses Jahr erstmalig am 27.03.2003 im neuen Verwaltungsgebäude in Poing wieder in eigenen Räumen statt, welche von den Teilnehmern als „sehr beeindruckend“ kommentiert wurden .

Peter Dahlheimer, Bereichsleiter TIP TOP Automotive, begrüßte in seiner Eröffnungsrede zahlreiche Fachleute aus der Reifenbranche; ferner die Vertreter der Industrie, Verbände bzw. Organisationen und Vertreter der Fachpresse.

Der Round Table Reifentechnik dient als Diskussionsplattform für technische und den Markt betreffende Fragen rund um Reifen und Rad. TIP TOP STAHLGRUBER versteht sich lediglich als Veranstalter und Gastgeber. Ziel ist der Informationsaustausch durch Fachvorträge aber auch durch Gespräche und den gegenseitigen Meinungsaustausch. Zum Informationsaustausch auch außerhalb der Veranstaltung präsentierte Dahlheimer die neu eingerichtete Internetplattform des Round Table Reifentechnik unter www.rema-tiptop.de.

Hans-Jürgen Drechsler, stellv. Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV), ging in seinem Vortrag auf die Situation des Reifenfachhandels im Reifenersatzgeschäft in Deutschland ein. Dabei erwähnte Drechsler unter anderem die Veränderungen, die auf der Übernahme der Viborg-Gruppe durch Euromaster basieren. Insgesamt betrachtet werde das Jahr 2003 wieder ein schwieriges Jahr.

Ferner schilderte Drechsler die Vorschriften zur Reklamationsabwicklung und thematisierte die Frage, ob es sich empfiehlt, Radmuttern nach einer kurzen Fahrt noch einmal nachzuziehen.

Im Herbst 2001 habe der BRV gemeinsam mit den maßgeblichen Reifenherstellern eine exakte Definition des Reifenalters vorgenommen. Als fabrikneu werden Reifen bis zu drei Jahren bezeichnet. Bis zu maximal fünf Jahre sachgemäß gelagerte Reifen gelten als neuwertig. Die Fristen verkürzen sich, wenn entscheidende technische Veränderungen am Reifen vorgenommen worden sind, oder ein Modellwechsel stattgefunden hat.

Dr. Sabine Müller, Continental ging in diesem Zusammenhang ausführlich auf die physikalischen und chemischen Ursachen der Reifenalterung ein. Entscheidend sei eine kühle, trockene und dunkle Lagerung von Reifen, die nicht auf das Fahrzeug montiert sind. So könne die Verschleißgrenze vor der Alterungsgrenze erreicht werden.

Im Rahmen des Projekts ‚leiser Straßenverkehr’ befasst sich die Bundesanstalt für Straßenwesen mit der Reduzierung der Reifen- und Fahrbahngeräusche. Dr.-Ing. Klaus-Peter Glaeser beschrieb ausführlich die Maßnahmen, die zur Entwicklung und Erprobung von leiseren Reifen-Fahrbahn-Kombinationen durchgeführt werden.

Das anschließende traditionelle Weißwurstfrühstück wurde wieder gerne für rege Diskussionen und zum Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern genutzt.

Das folgende Thema Reparierbarkeit von Reifen nahm aufgrund einiger Stellungnahmen der Reifenindustrie in der Presse beim diesjährigen Round Table einen größeren Stellenwert als sonst ein.

Der bayerische Vulkanisierinnungs- Obermeister Michael Immler stellte anschaulich die Spannungen und Vorteile einer fachmännisch ausgeführten Reifenreparatur dar. Er kritisierte, dass nicht jeder, der sich als Fachmann bezeichne auch ein tatsächlicher Fachmann sei. Ein ‚echter’ Fachmann würde alle Richtlinien kennen und einhalten. Daher sei die fachmännische Durchführung der Reparatur absolut sicher.

Die ablehnende Haltung von Teilen der deutschen Industrie gegenüber der Reparatur kritisierte der leitende Produktmanager Detlef Witt, TIP TOP STAHLGRUBER. Laut Witt drängen immer mehr ausländische Produkte, die den gesetzlichen Regeln nicht entsprechen; auf den deutschen Markt und gefährden somit die Sicherheit der Reifenreparatur. Dieser Skepsis könne nur entgegen gewirkt werden durch die Kennzeichnung der gesetzeskonformen Systeme und die Qualifikation der Anwender dieser Produkte. In der STAHLGRUBER-Stiftung werde dies bereits umgesetzt.

Außerdem wies der Produktmanager darauf hin, dass die Richtlinie zur Reifenreparatur nicht auf bestimmte Geschwindigkeitsklassen der Reifen reduziert, sondern die Reifenreparatur generell beschrieben sei.

Über die Reparatur von pannensicheren Reifen sprach Wolfgang Mick von der Firma Michelin. Beim Pax-System des Hauses Michelin handle es sich um eine neue Technologie, mit der es möglich sei, bis zu 200 km ohne Luft zu fahren.
Auch die Reparaturtechniken müssten an dieses System angepasst werden. Vom Hersteller zugelassen sei ausschließlich die Reparatur mit Minicombi für Stichverletzungen bis 6 mm Durchmesser. Reparaturen an Flanken oder Laufflächen mittels Pflaster dürften nicht vorgenommen werden. Ebenso wären keine Pannensprays erlaubt.

Klaus Glück von der Firma Continental referierte über weitere pannensichere Reifensysteme, zu denen der Conti Support Ring (CSR) und die Self Supporting Runflat Tyres (SSR) zählen. Nach Glück ermöglichen beide Systeme, die auf handelsüblichen Felgen basieren, auch mit einem schadhaften Reifen die Weiterfahrt bis zur nächsten Werkstatt.

Zum Mittagessen wurde in das festlich dekorierte STAHLGRUBER-Casino geladen, wo Familie Keller ein hervorragendes Buffet zubereitete.

Im Zuge der Fahrzeug- Recyclingverordnung??? EU-Altautorichtline 2000/53/EG werden zukünftig unter anderem Bleigewichte verboten. Die Folge ist, dass die vor dem 01.07.2003 typenzugelassenen PKW noch bis zum 01.07.2005 mit Bleigewichten fahren dürfen. Lediglich Fahrzeuge, deren Typenzulassung nach dem 01.07.2003 erfolgt, müssen auch bei Umbereifungen mit entsprechenden bleifreien Gewichten versehen werden. Ab dem 01.07.2005 sind bleifreie Gewichte für alle PKW bindend vorgeschrieben. Aus diesem Grund ist von der Richtlinie bereits das Ersatzgeschäft für den Winter 2003 zumindest bedingt betroffen.

Laut Helmut Ringwald, Dionys Hofmann, stelle Zink die beste Alternative zu Blei dar. Die Dichte von Zink sei relativ hoch und vergleichbar mit Blei. Der Preis von Zink wäre in einem angemessenen Verhältnis zu Blei, nämlich in etwa doppelt so hoch. Ferner floss die Recyclingfähigkeit in die Wahl für Zink mit ein. Allerdings wäre Zink kaum verformbar, eher anfällig für Korrosionen und mit der Anschaffung neuer Maschinen für die Herstellung verbunden.

Dagegen betrachtet John Hallé von der Firma Trax den Rohstoff Zinn als beste Wahl. Das Material wäre korrosionsbeständig und gut verformbar. Die Herstellung wäre weiterhin mit den gleichen Maschinen möglich. Problematisch dagegen wären die hohen Rohstoffkosten, die etwa beim 8-fachen des Preises für Blei lägen.
 

Teilnehmer & Programm

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Teilnehmer

Vorträge

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BRV, Herr Drechsler
Bundesanstalt für Straßenwesen, Herr Dr. Glaeser
Continental, Frau Dr. Müller
Continental, Hr. Glück
Dionys Hofmann, Herr Ringwald
Landesinnung des Bayerischen Vulkanisierhandwerks, Herr Immler
Michelin, Herr Mick
TIP TOP, Herr Witt
Trax, Herr Halle

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