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Veranstaltung 2006

12. Round-Table-Gespräch "Reifentechnik"

12. Round-Table-Gespräch "Reifentechnik"

Am 23. März lud TIP TOP zum 12. Round Table in den Räumen der Zentrale in Poing ein. Circa 100 Gäste aus den Bereichen rund um Reifen und Rad waren auch dieses Mal wieder anwesend. Vertreter aus der Reifenindustrie, Runderneuerer und Fahrzeughersteller wie auch Verbände und andere Institutionen saßen in den Reihen der Zuhörer, um sich einen Tag lang bei interessanten Vorträgen über Neuigkeiten in der Branche zu informieren.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Peter Dahlheimer, Geschäftsführer TIP TOP Automotive GmbH, und einem Rückblick auf den Roundtable 2005 gab Herr Drechsler vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur - Handwerk e.V (BRV) einen Überblick über aktuelle Daten und Marktstrukturanalysen im deutschen Reifenmarkt. Laut Drechsler war das Jahr 2005 ein sehr gutes für das PKW-Ersatzgeschäft und historisch zugleich, denn erstmalig wurden mehr Winterreifen (24,2 Millionen) als Sommerreifen verkauft. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich fortsetzen, denn aufgrund des konkretisierten Gesetzestextes in der Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist nun eine den Winterverhältnissen angepasste Bereifung nötig. Die Schätzungen für die Wintersaison 2006/2007 bleiben jedoch eher konservativ. Der BRV rechnet mit einem Absatzwachstum von etwa 6%. Drechsler erklärte die eher zurückhaltende Prognose im Vergleich zum Reifenhandel (dieser prognostiziert ein Wachstum von mehr als 10 Prozent ) mit der Tatsache, dass bis dato ohnehin eine Umrüstquote von mehr als 80% erreicht wurde. Jedoch geht der BRV davon aus, dass das Sommerreifengeschäft immer mehr stagnieren wird, denn Autofahrer werden wohl auch im Sommer ihre Winterbereifung belassen.

Im LKW-Bereich hat der BRV ebenfalls eine Zunahme des Absatzes von M&S Reifen verzeichnen können, allerdings ist auch im Jahr 2005 der Verkauf von LKW Reifen rückläufig gewesen, sowohl der Absatz von runderneuerten- wie auch von Neu-Reifen. Grund hierfür ist neben Strukturkrisen in der Bauwirtschaft und Standortverlagerung der Flottenbetriebe nach Osteuropa vor allem die hohe Qualität der LKW Reifen. Drechsler verkündete trotzdem auch im LKW Bereich eine Zunahme des Winterreifen Absatzes aufgrund der neuen STVO-Novelle.

Michael Wondraschek, Geschäftsführer Reifen Wondraschek, gab Informationen bezüglich des Vorhabens der entsprechenden Gesetzesentwürfe in Österreich. Dort arbeitet man derzeit an einer Winterreifenpflicht für Lastkraftwagen und Sattelfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen. Ursprünglich soll die 27. Novelle des Kraftfahrzeuggesetzes (KFG) bereits zur Wintersaison 2006/2007 in Kraft treten. Allerdings ist der Gesetzentwurf momentan in einer Begutachtungsphase, da von vielen Seiten Einwände erhoben wurden. Vorgesehen ist jedoch eine Winterreifenpflicht an den Rädern zumindest einer Antriebsachse jeweils vom 15. November bis zum 15. März , des weiteren eine Pflicht zur Mitnahme von Schneeketten für mindestens zwei Antriebsachsen. Somit soll die häufige Verursachung von Staus und unzugänglichen Strassen - in den meisten Fällen sind dies liegen gebliebene und hängen gebliebene Lkws - entgegengewirkt werden.

Peter Sponagel, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie e.V., ist allerdings der Meinung, dass diese Maßnahme nicht ausreichen wird, um kilometerlangen Staus und der daraus resultierenden Gefahren entgegenzuwirken. An einem Praxisbeispiel zeigte er auf, dass ebenfalls die Anordnung der Beladung von Lkws eine enorme Rolle spielt. Laut Sponagel bringt der allerbeste Winterreifen mit optimaler Mischung nicht mehr Traktion auf, als ein gewöhnlicher M+S Reifen, wenn die Beladung des LKWs eher auf den Aufliegerachsen als auf den Antriebsachsen der Zugmaschine liegt. Zudem müssen entsprechende Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber getroffen werden wie ein Überholverbot oder das Sperren von Autobahnauffahrten, so dass Räum- und Streufahrzeuge passieren können.

TIP TOP durfte dieses Jahr auch Vertreter aus der Automobilindustrie begrüßen. Herr Hein von BMW wie auch Herr Runtsch von Daimler Chrysler nahmen Stellungnahme zur Verwendung von Run Flat Reifen und gaben ein umfassendes Update der Philosopien zur Reifenherstellung in den Unternehmen.

Aus dem Hause Daimler Chrysler wurde bekannt gegeben, dass der Absatz von RunFlat Reifen nicht den Fuß fasst. Im Gegensatz zu BMW wird sich hier nicht auf eine modellbezogene „Zwangskopplung“ festgelegt, die einen geringen Absatz der Reifen erklärt.

Hein gab bekannt, dass bei BMW dagegen jährlich 5,2 Millionen Runflat- Reifen im freien Handel abgesetzt werden. Hein räumte auch Probleme bei der Montage von Runflat Reifen in der Anfangphase ein, da die steiferen Seitenwände höhere Anforderungen an die Montage stellen. Doch durch entsprechende Schulungen und dem entsprechenden Equipment wurde dieses Problem schnell behoben.

In diesem Zuge präsentierte Herr Frank Scherl vom Hersteller Butler Engineering die neuen, innovativen Montagehilfen, die eine fachgerechte Montage von RunFlatReifen erleichtern. Es wurde des Montagegurt wie auch der Wulstboy vorgestellt, die eine Beschädigung des Reifens vorbeugen.

Zur Reparatur von Notlaufreifen gab Herr Thalhammer der Firma TIP TOP einen kurzen Überblick. Hier wurden diesbezüglich einige Versuchsreihen durchgeführt, in denen Reifenmodelle von vier verschiedenen Reifenherstellern geprüft wurden. Momentan laufen noch letzte Untersuchungen anhand einer Röntgenanalyse, doch derzeit konnte kein Unterschied zwischen der Reparierbarkeit von Notlauf –und konventionellen Radialreifen keine Unterschiede festgestellt werden. Trotzdem wird auch aus dem Hause TIP TOP keine Reparatur der Seitenwände von Notlaufreifen empfohlen.

Der Round Table nahm sich des weiteren auch des brisanten Themas der Ventilausfälle gerade bei Transporterreifen an. Dazu referierten Herr Immler, Vorsitzender der Landesinnung des Bayrischen Vulkanisierhandwerks, Herr Bockenheim von der staatlichen Materialprüfanstalt Darmstadt wie auch Herr Seidl des Ventilherstellers Alligator. Es wurde festgestellt, dass manche Fahrzeughersteller zum Teil die falschen Ventile verwenden, die für die jeweiligen Transportreifen und den entstehenden Luftdrücken nicht geeignet sind. Auch treten Fälle auf, bei denen die Felgenkontur des verbauten Reifens einen optimalen Sitz des Ventils nicht mehr gewährleistet. Darüber hinaus wurden Fälle von verschmutzten Ventilen und nicht sachgemäßer Montage verzeichnet.

Neben weiteren Informationen zum TÜV-Reifenprüfsiegel und dem neuen Schulungsprogramm von Michelin in Zusammenarbeit mit Stahlgruber schaffte der Round Table 2006 wieder eine geeignete Plattform um aktuelle Problematiken und Entwicklungen in der Reifenbranche anzuschneiden, Diskussionen anzuschüren und neue Lösungen in enger Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Herstellern zu finden. Man darf schon auf das Jahr 2007 gespannt sein, indem TIP TOP Stahlgruber mit Sicherheit wieder mit vollen Hallen rechnen darf.

Teilnehmer & Programm

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Vorträge

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Alligator Ventilfabrik – Herr Binder, Herr Seidl, Herr Zotzel
BRV, Herr Drechsler
Butler Engineering und Marketing, Herr Scherl
Gummiwerk Kraiburg Austria, Herr Schwämmlein
Landesinnung des Bayerischen Vulkanisierhandwerks, Herr Immler
Michelin Trainingscenter, Herr Semmler
Reifen Wondraschek, Herr Wondraschek
STAHLGRUBER Otto Gruber GmbH & Co KG Unternehmensbereich TIP TOP, Herr Thalhammer
Staatliche Materialprüfanstalt Darmstadt, Herr Bockenheimer
TÜV SÜD Automotive, Herr Reithmaier
WdK, Herr Sponagel

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